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pwned! Review

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Review (Music)

 

Sido - Ich (2006) (by Chris)

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Bereits sein erstes Soloalbum „Maske“ (2004) bescherte ihm den kommerziellen Durchbruch in Deutschland. Hohe Wellen wurden geschlagen, vor allem da Sido über Verherrlichung von Drogen und deren Missbrauch rappte. Folge davon: Indizierung des Albums. Seine Single „Mein Block“ wurde zum absoluten Tophit, der auf keinem MP3-Player fehlen durfte. So kam es, dass ein wahnsinniger Hype um das „super-intelligente Drogenopfer“ entstand, der sich bis fast ins Jahr 2006 zog. Kaum war der Hype seines ersten Albums weg, stand schon das nächste Release vor der Tür. Sido's zweites Soloprojekt „Ich“. Es sollte um vieles persönlicher werden als sein erstes Album „Maske“. Von seinem eigens inszenierten „Masken-Image“ wollte er sich lösen, um so noch authentischer auf die Menschen zu wirken. Und das gelingt ihm mit „Ich“ auf ganzer Linie.

Was Sido hier auf 23 Liedern bietet, hätten ihm wohl die allerwenigsten zugetraut. Aber der Reihe nach.

 

 

 


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Nach einem für Aggro Berlin Verhältnisse standard-lustigen Intro, kommt schon der erste absolute Kracher auf den Hörer zu. In „Goldjunge“ erzählt uns Sido seinen Werdegang vom Niemand zum Goldjungen a la nach amerikanischem Vorbild vom Tellerwäscher zum Star. Dazu ein Beat, der gleich zum Ohrwurm mutiert.

Im Grund fällt es auf „Ich“ schwer einzelne Lieder aus dem gesamt Konzept herauszunehmen, weil es nur sehr wenige Lückenfüller gibt. „Schlechtes Vorbild“ ist aber eines der Lieder, bei dem man auf jeden Fall genauer hinhören sollte.

Sido bedient nämlich all die Klischees, die er einfach erfüllen muss. Schlechtes Vorbild, Schrecken der Eltern, Schuld an der versauten Jugend etc.. Aber Sido kommt dabei keineswegs einfältig  rüber, sondern überzeugt mit intelligenten Zeilen.

„Bergab“ zeigt Sido's starke Story-Telling Fähigkeiten. Zunächst werden dem Hörer zwei tragische Schicksale in Sido's Viertel erzählt, im dritten Teil des Liedes aber dann wie es auch laufen könnte - nämlich ähnlich wie bei seinem eigenen Werdegang, dass man es aus dem Viertel schafft.

Gefühlsbetont und authentisch kommt „Ein Teil von mir“ daher. Ein sensationelles Lied, das Sido seinem Sohn widmet und dabei ungewöhnlich viel Reue für sein damaliges schlechtes Verhalten zeigt.

Die Peilerman & Flow Teile besitzen mitunter Stil. Im dritten Teil der Skitreihe wird Azad auf die Schippe genommen, aber dies als Diss zu bezeichnen wäre mit Sicherheit zu übertrieben.

Sido's Testament bekommt der Hörer auch zu Ohren, wobei das Lied aus zwei Teilen besteht. Im ersten Teil verteilt Sido sein Geld, seine goldenen Platten und sein Herz an die ihm an engsten stehenden Personen, im zweiten Teil bekommen seine Verwandten „den letzten Kontoauszug“ und die Hater nur „die Reste aus seinem Dickdarm“.

Neben dem vulgären „Ficken“ und dem eher gescheiterten Experiment mit Sido auf einem Dancehallbeat in „Rodeo“, kommt mit „Sarah“ ein deftiger Song, der viel Wirbel verursacht. Sido nennt zwar den Nachnamen der Sarah nicht, aber im Grunde ist klar wer gemeint ist - spätestens nach dem vierten Teil der Peilerman & Flow Reihe. Abgerundet wird das ganze Album mit einem B-Tight Feature.

 

Top:

- Goldjunge

- Strassenjunge feat. Alpa Gun

- Peilerman & Flow Teil 1

- Schlechtes Vorbild

- Ihr habt uns so gemacht feat. Massiv

- Mach keine Faxen feat. Kitty Kat

- Bergab

- Ein Teil von mir

- 1000 Fragen

- Peilerman & Flow Teil 3

- GZSZ feat. Fler

- Mein Testament

- Ficken feat. Tony D & Kitty Kat

- A.I.D.S. 2007 feat. B-Tight

 

Neutral:

- Intro

- Nie wieder feat. G-Hot

- Peilerman & Flow Teil 2

- Ich kiff nicht mehr

- Ich hasse dich

- Sarah

- Peilerman & Flow Teil 4

 

Flop:

- Rodeo feat. Peter Fox (Seeed)

 

 Fazit:

Selbst der größte Optimist hat wohl nicht mit solch einem Topalbum gerechnet. Sido kommt zwei Jahre nach seinem Debütalbum mit stark verbesserter Technik, authentischem Rap, gelungenen Features und viel Abwechslung daher. Hinzu kommt sein großartiger Humor, den man von ihm seit „Maske“ gewohnt ist. So eine Dichte an Tophits auf einer CD haben wohl die allerwenigsten erwartet.

Nach „Ich“ werden ihm wohl die meisten seinen Künstlernamen abnehmen, wobei ich Sido nicht als „super-intelligent“ bezeichnen, sondern die beiden Wörter trennen würde. Heraus kommt dann ein super Sidoalbum, auf dem er mit intelligenten Raps und gut gewählten Themen glänzt.

 Bewertung: 9.2